Selbstführung und Achtsamkeit

 

Viele Führungskräfte kommen zu mir ins Coaching mit der Frage, wie sie zu einer erfolgreichen Führungskraft werden. Vielleicht haben sie gerade den Job gewechselt oder stehen vor einer neuen Herausforderung und müssen sich als Führungskraft beweisen. Etwas enttäuscht reagieren sie, wenn sie hören, dass Führung nicht ohne Selbstführung bzw. Achtsamkeit geht. Selbstführung klingt für manchen Manager nach „Stuhlkreis“ und Hokuspokus.

 

Selbstführung und Vorbildfunktion

 

Führung hat viel mit Vorbildfunktion zu tun. Eine Führungskraft wird dann anerkannt und damit erfolgreich sein, wenn die Mitarbeiter das Verhalten der Führungskraft nicht nur als vorbildlich erleben, sondern davon überzeugt sind, dass die Führungskraft sich selbst führen kann. Dies wiederum zahlt enorm auf den Ruf und die Glaubwürdigkeit des Managers ein.

 

Um andere erfolgreich führen zu können, sollte eine Führungskraft:

 

  • Sich der eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, Stärken und Schwächen bewusst sein
  • Einfluss auf sich selbst, das eigene Verhalten und die eigene Emotionsregulation nehmen können

 

Eine erfolgreiche Selbstbeeinflussung ist der beste Beweis dafür, dass andere beeinflusst werden können. Deshalb ist Selbstführung eine entscheidende Management Kompetenz und sollte von keinem Manager unterschätzt werden. Fachkompetenz oder Machtstreben alleine reichen heutzutage selten aus, um in professionellen Organisationen Karriere zu machen.

 

Führung beginnt bei sich selbst

 

Viele kennen das aus eigener Erfahrung. Was die Beurteilung von anderen anbelangt, sind wir alle große Experten. Anders sieht es aus, wenn es um die Erkenntnis über sich selbst geht. Dann versagt die Urteilskraft oder es tritt betretenes Schweigen ein. Mit sich selbst zu beschäftigen, ist deshalb so schwer, weil wir es nicht gewohnt sind und weil es sich unangenehm anfühlen könnte. Ähnliches gilt für die bewusste Selbstführung bzw. Selbstregulation.

 

Emotionale Selbstregulation

 

Unter emotionaler Selbstregulation verstehe ich die Fähigkeit, die eigenen Gedanken und Gefühle zu erkennen und zu steuern. Anstatt sich von negativen Emotionen (wie beispielsweise Wut oder Ärger) treiben zu lassen, sollte eine Führungskraft in der Lage sein, ihre Auslöser für die Emotionen zu erkennen und eine bewusste Wahl ihrer Reaktion zu treffen (emotionale Selbstregulation).

 

Wenn Sie als Führungskraft von einem Mitarbeiter in einer Teambesprechung verbal attackiert werden, tun Sie gut daran, nicht in gleicher Weise zu reagieren. Dies würde den Konflikt nicht nur weiter eskalieren. Sie würden sich auf eine Stufe mit dem emotionalen Verhalten des Mitarbeiters stellen. Vielleicht sind Sie innerlich verärgert oder wütend. Anstatt sich in der Teambesprechung auf einen Streit einzulassen, sollten Sie als Führungskraft ruhig bleiben und ihre Wut mittels Achtsamkeit besänftigen.

 

Selbstregulation des Verhaltens

 

Ihr Verhalten als Führungskraft ist für alle Mitarbeiter sichtbar. Die zweite Form der Regulation betrifft ihr Verhalten nach außen. Machen sie sich bewusst, dass sie immer mehr als eine Handlungsalternative haben.

Indem sie sich dafür entscheiden, dem wütenden Mitarbeiter mit Ruhe und Verständnis zu begegnen, zeigen sie sich souverän. Ihre Mitarbeiter werden das anerkennen. Achtsamkeit unterstützt ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion bzw. Selbstführung.

 

Was ist Achtsamkeit?

 

Unter Achtsamkeit versteht man eine besondere Form der Aufmerksamkeit. Achtsamkeit ist die Fähigkeit des Gehirns, im aktuellen Augenblick zu verweilen. Wenn Sie achtsam sind, sind sie mit ihrem Wahrnehmen und Denken ganz im gegenwärtigen Augenblick. Sollten die Gedanken abschweifen, dann holen sie diese ganz bewusst in das „hier und jetzt“ zurück. Deshalb steht die Aufmerksamkeit für den gegenwärtigen Moment im Mittelpunkt des Konzepts der Achtsamkeit.

 

Eine der bekanntesten Definitionen von Achtsamkeit stammt von Jon Kabat-Zinn. Demnach ist Achtsamkeit eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit, die

 

  • absichtsvoll ist,
  • sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht (statt auf die Vergangenheit oder die Zukunft), und
  • nicht wertend ist.

 

Achtsamkeit und Selbstregulation

 

Oft gibt es einen Automatismus zwischen einem Reiz und ihrer Reaktion. Wir reagieren auf bestimmte Reize quasi automatisch. Achtsamkeit schafft eine Distanz zur Reaktion. Wenn eine Person achtsam ist, dann schafft sie eine Wahlmöglichkeit und neue Handlungsoptionen. Wir sind nicht mehr Sklaven unserer Gedanken und Gefühle, wenn wir im Modus der Achtsamkeit sind.

 

Die eigene, innere Haltung ist entscheidend für das Gelingen der Achtsamkeit. In seinem Konzept von Achtsamkeit geht Jon Kabat-Zinn von sieben Säulen aus, die die innere Haltung einer achtsamen Person prägen:

 

  1. Nicht-Urteilen
  2. Geduld
  3. Den Geist des Anfängers bewahren
  4. Vertrauen
  5. Nicht-erzwingen
  6. Akzeptanz
  7. Loslassen

 

Positive Effekte von Achtsamkeit

 

Viele empirische Studien kommen zu dem Schluss, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Achtsamkeit und Selbstführung gibt. Deshalb lohnt es sich für Manager und Führungskräfte, sich mit dem Thema Achtsamkeit zu beschäftigen. Eine bekannte Studie zum Thema Achtsamkeit und Führung stammt von Jochen Reb und Kollegen (2014). Ihnen gelang es zu zeigen, dass die Achtsamkeit von Führungskräften einen positiven Effekt auf die Arbeitsleistung und das Klima der Mitarbeiter hatte. Im Einzelnen konnten Sie folgende Effekte nachweisen:

 

  • Eine allgemein höhere Arbeitsleistung
  • Eine positive „Work Life Balance“
  • Eine gesteigerte Arbeitszufriedenheit
  • Ein höheres Engagement in der Abteilung

 

Menschenbild und Managementstil

 

Eine der ältesten Führungstheorien stammt von Douglas McGregor (Theorie X, Theorie Y). Bei seinen Studien identifizierte er zwei Theorien, die Führungskräfte im Hinblick auf ihre Mitarbeiter anwenden. Bei diesen Theorien handelt es sich um Generalisierungen, die die Extreme verdeutlichen sollen:

 

Die Anhänger der Theorie X glauben: Menschen sind grundsätzlich faul und unzuverlässig. Sie scheuen die Verantwortung. Manager müssen Handlungen konstant überwachen.

 

Die Anhänger der Theorie Y glauben: Menschen sind grundsätzlich kreativ, freuen sich auf neue Herausforderung. Sie möchten aktiv Verantwortung übernehmen und gute Arbeit leisten. Manager müssen viele Freiheitsgrade einräumen.

 

Als achtsame Führungskraft schauen Sie darauf, welche Grundhaltung (Theorie X oder Theorie Y) bei Ihnen überwiegt. Wie verhalten sie sich gegenüber ihren Mitarbeitern im Allgemeinen bzw. gegenüber einzelnen Mitarbeitern? Wen behandeln sie wie?

 

Achtsamkeit hilft Ihnen dabei, nicht automatisch ihren „Vor-Urteilen“ gegenüber bestimmten Mitarbeitern zu erliegen bzw. Mitarbeiter in „Schubladen zu packen“. Im Führungskräfte-Coaching kann es darum gehen, diese Haltung gezielt einzuüben.

 

Hierbei können die folgenden Fragen hilfreich sein:

 

  • Was löst Mitarbeiter A in mir aus?
  • Wie sieht meine typische Reaktion auf Mitarbeiter A aus?
  • Behandle ich Mitarbeiter A mit den gleichen Maßstäben wie meine anderen Mitarbeiter?
  • Wieso kann ich mit Mitarbeiter A besonders gut/schlecht?
  • Gibt es eine vertraute Person, an die mich Mitarbeiter A erinnert?

 

Mein Coaching

 

Gerne unterstütze ich Sie mit meinem Führungskräfte-Coaching bei Ihrem Anliegen rund um das Thema Selbstführung und Achtsamkeit bzw. alle weiteren Business Themen. Sie haben in mir einen erfahrenen Business Coach, der sich individuell um Ihre berufliche Situation kümmert.

 

 

Hans-Georg Lauer

Coaching in Köln: Hans-Georg Lauer

 

 

 

 

 

Hans-Georg Lauer Business- & Life-Coach
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